Erschienen 2019

Traugott Keßler

 

Franz Jordan von Ried

Erster Inhaber des Lehrstuhls für Chirurgie in Jena

 

"...Die hervorragenden wissenschaftlichen Leistungen und die gediegenen Charaktereigenschaften des Verstorbenen bedürfen meines Rühmens nicht, da die ersteren berufenerer Beurtheilung unterliegen, die letzteren allgekannt sind..."

Mit diesen Worten informierte am 11. Juni 1895 der damalige Prorektor der Jenaer Universität, Professor Carl Siegfried, seine Professorenkollegen vom Tod des emeritierten Professors für Chirurgie, Franz Jordan von Ried.

15 Jahre später, aus Anlass des 100. Geburtstages von Ried, erschien in der Beilage "Altes und Neues aus der Heimat" der Zeitung "Jenaer Volksblatt" ein Beitrag, aus dem folgende Beurteilung stammt:

"...Er war ein herrlicher Mensch, in seinem festen, frischen, kernigen Wesen steckte etwas von jener freien und großen Hochalpennatur, in deren Mitte er seine ersten Lebensjahre verbracht hat: er war ein lauterer Charakter, der wenig Worte machte und schlicht und offen, ohne Rücksichtsnahme seine Meinung aussprach... Unvergeßlich wird jedem, der an Rieds Klinik teilgenommen hat, die ... schlichte Art der treuen Pflichterfüllung seines Berufes bleiben...

Der frühe Morgen führte ihn zu den Kranken seiner Abtheilung, und oft genug konnte man ihn im Greisenalter, wenn schwere Operationen stattgehabt hatten, noch am späten Abend nach dem Krankenhause gehen sehen..."

 

Herkunft und Ausbildung
Franz Jordan Ried wurde am 12. Februar 1810 in Kempten im Allgäu geboren. Seine Eltern waren der Königlich-Bayerische Landgerichts-Assessor Johann Martin Ried und dessen Ehefrau Franziska, geb. Keller. Als bayerischer Beamter wurde der Vater mehrfach dienstversetzt, jeweils verbunden mit einem Wechsel des Wohnortes. So zog die Familie 1812 nach Mauerkirchen in der Nähe von Rosenheim in Oberbayern und 1816 nach Erlangen, wo der Vater das Amt eines Kreis- und Stadtgerichtsrates übernahm.

Rosemarie Fröber

 

Noch im Tode dienten sie dem Leben

Ort des Gedenkens für die Leichname der Anatomie

 

Zu den erfahrbaren Zeugnissen vergangenen Lebens gehören auf dem Johannisfriedhof viele Grabstätten, die mit ihren steinernen Zeugen an bedeutende Persönlichkeiten oder stadtbekannte Familien erinnern. Daneben verbergen sich Ruhestätten, an denen man bislang achtlos vorüberging, weil weder Grabstein noch Inschrift zum Einhalten und Nachdenken einluden. Es sind die Grabstätten Verstorbener, die einst am Rande der Gesellschaft lebten und starben; hierzu gehören auch die Grabstätten für die Leichname der Anatomie.

 

Bis ins späte 19. Jahrhundert sind die Gebeine Verstorbener, die im Dienst der Medizin anatomisch seziert wurden, auf dem Johannisfriedhof bestattet worden. Zukünftig wird ein Ort des Gedenkens die Besucher daran erinnern, dass diese Menschen noch im Tode dem Leben dienten.

 

Anatomie oder Anatomische Sektion sind Begriffe, die für viele Menschen mit uralten Gefühlen von Unbehagen und Widerwillen oder gar Angstgefühlen besetzt sind. Die Vorstellung von der Zergliederung menschlicher Leichname ruft aber auch Neugier und Faszination hervor. Dies ist mit der uralten, bis heute geltenden Einsicht verbunden, daß man die Anatomie des menschlichen Körpers beherrschen sollte, will man erfolgreich ärztlich tätig sein.

 

Die früheste bekannte Verordnung, Lehrsektionen im deutschen Raum durchzuführen, erließ Kaiser FRIEDRICH III im Jahre 1479 zugunsten der Universität Köln; im Jahr darauf ist dort eine Anatomie überlieferrt. Nachdem im Jahre 1482 durch ein päpstliches Breve die Leichenzergliederung erlaubt worden war, folgten Tübingen und Wittenberg sowie in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts Leipzig, Ingolstadt, Rostock, Marburg, Frankfurt a. O. und Heidelberg. Auch in Jena reicht die Ausbildung zahlreicher Medizinergenerationen bis ins 16. Jahrhundert zurück.

Brigitte Jelke

 

Anna Haeckel, geb. Sethe

Ernst Haeckels erste Frau und große Liebe

 

Bedeckt vom Laub und umrankt von Efeu liegt die kleine Grabplatte der Anna Sethe in der Geborgenheit des naturbelassenen Areals hinter dem Gärtnerhaus mit folgender Inschrift:

 Anna Auguste Friedericke Haeckel, geb. Sethe

Geb. zu Cölln, dem 14ten September 1835

    Verehelicht den 18ten August 1862

    Gestorben den 16ten Februar 1864

 Ebenso schlicht und zurückhaltend wie der Stein war wohl auch die junge Frau, die hier vor langer Zeit beerdigt wurde. Vermutlich wäre ihr Name nie besonders beachtet worden, wenn sie nicht die erste Frau des berühmten und umstrittenen Naturwissenschaftlers Ernst Haeckel (1834-1919) gewesen wäre. Um so verwunderlicher ist es, dass man ihrer stets unter ihrem Mädchennamen gedenkt. Selbst Ernst Haeckel, der seiner verstorbenen Frau einige seiner wissenschaftlichen Schriften widmete, und eines der schönsten von ihm benannten Meerestiere - Desmonema Annastehe - "verewigt die Erinnerung an Anna Sethe, die hochbegabte und feinsinnige Frau" benutzt dazu ihren Geburtsnamen.

 

Wer war Anna Sethe?

Man könnte nur sehr bruchstückhaft von ihr berichten, wenn man nicht Ernst Haeckel zu Wort kommen lassen würde. Ihr Name taucht schon in den Tagebüchern seiner Kindheit auf; denn sie waren verwandt miteinander. Ernst Haeckels Mutter Charlotte war die Schwester von Annas Vater Christian Sethe, Provinzialdirektor zu Stettin, nach dessen Tod die Familie in Berlin lebte. Hier wird Anna Sethe die Schule besucht haben. Näheres ist über sie nicht bekannt. Die Tagebücher erzählen von Anna als Elfe bei einer Familienfeier, bei Haeckels in Berlin zu Gast oder mit der Mutter zu Besuch beim "geliebten Vetter", der in Würzburg Medizin studierte. In Berlin, Ernst Haeckel arbeitete dort an seiner Habilitation, sahen sie sich regelmäßig und fühlten sich geschwisterlich verbunden.

René Treunert, Christina Apfel

 

Erbbegräbnis Treunert / Grünert

Johann Heinrich Wilhelm Treunert (1797-1860)

Familiengeschichte des Volksdichters und Ratswachtmeisters

 

DER KIRCHHOF ZU JENA

mit zwei Kirchen verschiedener Confessionen

 Unten schlummern sie in Frieden,

In des Grabes stiller Ruh;

Was die Zwietracht einst geschieden,

Deckt Ein Rasen liebend zu.

 

Oben beten sie in Frieden,

Alles Glaubens, Gott zu dir;

Was die Meinung einst geschieden,

Eint die Lieb' als Schwestern hier.

(J.H.W.Treunert)

 Dieses kleine, ein wenig spöttische Gedicht über die beiden auf dem Johannisfriedhof vereinten christlichen Konfessionen schrieb der Jenaer Stadtpoet und Ratswachtmeister Johann Heinrich Wilhelm Treunert. Nach ihm ist die Treunertstaße im Hausbergviertel benannt.

 Auf dem Grabstein des Treunert / Grünertschen Erbbegräbnisses an der Ostseite der Friedenskirche, steht

"Jenas edelstem Sohne, deß goldenem Munde entströmte, Treu im Frieden und Krieg manches unsterbliche Lied".

In dem Erbbegräbnis liegen

- Johann Heinrich Wilhelm Treunert

- Marie Friedericke Grünert, geb. Bechmann (1822-1866), die Pflegetochter Treunerts,

- August Heinrich Grünert (1826-1868), der Ehemann

- Alma Marie Henriette Wilhelmine Grünert (1862-1906), eine Tochter der Grünerts

begraben.

 

Die Herkunft des Dichters

Wer war nun dieser Dichter Johann Heinrich Wilhelm Treunert, der in liebevollen Nachrufen seiner Freunde und Gönner als einsamer armer Junge beschrieben wird, der "...als er kaum aufrecht stehen konnte, ganz allein in der verschlossenen Stube von seiner Mutter zurückgelassen wurde"?

Und wer war diese "hartherzige" Mutter, die ein kleines Kind den ganzen Tag allein gelassen hat?

Wie lebten sie in dieser unruhigen Zeit vor den Napoleonischen Kriegen?

Maria Kozianka

 

August Schleicher (1821-1868)

Sprachwissenschaftler

 

Betritt man den historischen Johannisfriedhof vom Philosophenweg aus durch den zweiten, nördlicher gelegenen Eingang, gelangt man nach wenigen Schritten zur Grabstätte des Sprachwissenschaftlers August Schleicher und seiner Ehefrau Fanny Schleicher, geborene Strasburger (1827-1911).

 

Kindheit und Jugend

August Schleicher wurde am 19. Februar 1821 in Meiningen geboren. Seine Eltern waren der Amstarzt Johann Gottlieb (1793-1864) und dessen erste Ehefrau Henriette, geborene Heym

(† um 1835). Kindheit und Jugend verbrachte Schleicher in Sonneberg, wo er neben dem im Elternhaus ausschließlich gesprochenem Hochdeutsch im Umgang mit anderen Kindern auch die Sonneberger Mundart lernte und sie nach kurzer Zeit perfekt beherrschte. Besonders das im Volksmund lebendige Kulturgut wie Märchen, LIeder, Kinderreime, Sprichwörter und Rätsel übten einen nachhaltigen Einfluss auf ihn aus. Schon früh zeigte sich auch seine musikalische Begabung, die besonders von der Mutter gefördert wurde. Sein Vater, der Naturheilkunde gegenüber aufgeschlossen, weckte sein Interesse für ausgedehnte Wanderungen durch Thüringen und Beobachtungen in der Natur. 

 

Schleicher wuchs in einem liberal und demokratisch gesinnten Umfeld auf. Sein Vater gehörte als Student 1815 zu den Mitbegründern der Burschenschaft in Jena, die sich für demokratische Reformen und gegen die feudale Kleinstaaterei einsetzte. Als Amtsarzt kümmerte er sich insbesondere um die Arbeiter in der Heimindustrie. Traf er bei seinen Patientenbesuchen auf ärmliche Verhältnisse, verzichtete er auf sein Honorar.

Von 1835 bis 1840 besuchte Schleicher das Gymnasium Casimirianum im nahegelegenen Coburg. Mit großem Eifer lernte er hier Griechisch und Latein. Für Sprachstudien war das Casimirianum ein ausgezeichneter Ort. In der dortigen Bibliothek befanden sich auch arabische, persische, indische und chinesische Originalschriften. Der Direktor des Coburger Gymnasiums erkannte die Sprachbegabung seines Schülers und erteilte ihm im Arabischen Privatunterricht, auch Sanskrit, eine altindische Sprache, und Chinesisch lernte er in Coburg kennen.

Jürgen John

 

Grabstätte der Familie Theil

Pädagoge - Sozialist - Universitätskurator

 

Auf dem Jenaer Johannisfriedhof befindet sich das Grabmal des am 25. August 1945 verstorbenen Universitätskurators Carl Theil, seiner am 7. Februar 1946 gestorbenen Ehefrau Elisabeth und ihrer mit jeweils 22 Jahren am 12. Mai 1940 bei Dinant, am 2. September 1942 bei Netertowka und am 6. März 1945 bei Breitscheid gefallenen Söhne Carl, Peter und Thomas. Am 27. März 1945 starb zudem Theils Schwiegermutter Helfrid Eigenbrodt, am 10. November 1946 seine Mutter Natalie Bodenburg. Sieben Todesfälle in kurzer Zeit, drei im Krieg gefallene Söhne – das ist zutiefst bewegend und verweist auf ein Schicksal von großer Tragik. Es löst viele Fragen nach der Persönlichkeit und dem Lebensweg Carl Theils aus, dessen Wirken in geradezu paradigmatischer WQeise mit der deutschen Geschichte und Bildungsgeschichte der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts verbunden war.

 

Jugend und Studium

Carl August Theil wurde am 17. Dezember 1886 als Sohn des königlich-preußischen Musikdirektors Carl Christian Hugo Theil (1853-1909) und dessen Ehefrau Natalie (1866-1946) in Danzig geboren. Die Mutter stammte aus Eisenberg/Ostpreußen, der Vater aus Seehausen/Altmark. Er war nach seinem Musikhochschulstudium seit 1877 als Leiter der Kapelle des Danziger Grenadierregimentes tätig, seit 1904 als Musikdirektor. Mit seinen "populären Sinfoniekonzerten" erlangte der Militärmusiker Theil große Beliebtheit. Ein schweres Augenleiden trieb ihn allerdings 1909 in den Freitod.

Von seinem Elternhaus war Carl Theil bildungsbürgerlich geprägt; von seinem Vater erbte er das musikalische Talent – er komponierte und war ein sehr guter Klavierspieler -, die poetische Begabung – er schrieb vorzügliche Gedichte - und eine anfängliche Neigung zum Militärischen. Nach dem Besuch des Städtischen Gymnasiums Danzig und dem Erwerb des Reifezeugnisses studierte er 1904/06 'Schiffbau an der Technischen Hochscule Danzig und dann bis 1912 an den Universitäten Berlin, München und Jena klassische Altertumswissenschaft, Geschichte, Philosophie und Pädagogik. Im Anschluß an das Studium promovierte er 1912/13 in Jena bei dem Altertumswissenschaftler Heinrich Walther Judeich (1859-1942) über "Solonische Münzreform" zum Dr. phil., legte hier am 15. Dezember 1913 die Promotionsprüfung ab und nach dem Kriege am 13. Mai 1919 das Gymnasial-Staatsexamen für Latein, Grichisch, Geschichte und Philosophische Propädeutik.

 


Erschienen 2018

Hilmar Gudziol

 

Familiengrabstätte Huschke - Prof. Dr. Emil und Emma Huschke

 

Auf der Gemeinschaftsgrabplatte der Familie Huschke an der Südseite der Jenaer Friedenskirche sind die Eheleute Emil (gest. 1858) und Emma Huschke (gest. 1880) und ihre Töchter Clara Huschke (gest. 1892), Agnes Haeckel, geborene Huschke (gest. 1915) sowie ihr Sohn Otto Huschke (gest. 1915) eingraviert.

Auf der Grabplatte nicht verzeichnet ist die jüngste Tochter von Agnes und Ernst Haeckel Emma Haeckel (gest. 1946), die ebenfalls im Huschkeschen Erbbegräbnis bestattet wurde. Emil und Emma Huschke sowie Tochter Clara wurden erdbestattet. Agnes Haeckel, ihre Tochter Emma Haeckel und ihr Bruder Otto Huschke wurden feuerbestattet. Agnes Haeckel und Otto Huschke wurden in Jena und Emma Haeckel in Apolda eingeäschert.

Das Erbbegräbnis Huschke wurde 1858 von der "Geh. Hofrath Emil Huschkeschen Familie" gekauft, also ganz offensichtlich war der Anlass Emil Huschkes Tod. Dabei handelte es sich um eine Gewölbegruft, die vorher einer Familie Ruger gehört hatte.

 Emil Huschke wurde als zweiter Sohn des Hofmedikus Wilhelm Ernst Christian Huschke und seiner  14 Jahre jüngeren Ehefrau Christiane am 14. Dezember 1797 in Weimar geboren. Er besuchte dort ab 1911 das Wilhelm-Ernst-Gymnasium und begann 1814 sein Medizin-studium in Jena. Im Aufbruch nach den Befreiungskriegen schloss er sich der in Jena gegründeten Urburschenschaft an und nahm 1817 am Wartburgfest der protestantischen Universitäten aus Anlass des 300-jährigen Reformationsjubiläums teil. 1818 legte er der Medizinischen Fakultät der Universität Jena zum Abschluss des Studiums seine Inauguraldisserdation über die Entwicklung der Respirationsorgane und der Schwimmblase der Fische vor.

Im Anschluss an Reisen nach Berlin und Wien zu den damals berühmtesten klinischen Anstalten Deutschlands, sowie nach Süddeutschland kehrte er 1820 als einer der jüngsten jemals berufenen Dozenten an die Jenaer Universität zurück und blieb ihr bis zu seinem Tode treu.....

...1830 heiratete Emil Huschke im Klostergut Bonnrode im heutigen Kyffhäuserkreis die zwölf Jahre jüngere Emma Rostosky. Sie hatten zusammen sechs Kinder. Emil Huschke hatte für sich und seine Familie am Teichgraben in einem großen Gartengrundstück gegenüber dem Anatomieturm sein Wohnhaus errichten lassen.

 

 

Hilmar Gudziol

 

Familiengrabstätte Huschke - Die Kinder Huschke/Haeckel

Otto Huschke

Otto Huschke wurde am 6.10.1832 als Sohn von Emil und Emma Huschke in Jena geboren. Er besuchte ab 1847 das Gymnasium in Weimar und erlangte dort 1851 mit dem Abitur die Hochschulreife. In Jena studierte er von 1851-1853 zunächst Geschichte, um sich anschließend in Bonn, in Leipzig und wiederum in Jena bis 1856 dem Jurastudium zu widmen. 1860 wurde er von der Juristischen Fakultät der Jenaer Universität zum Dr. jur. promoviert. Allerdings ist dieser Titel auch in offiziellen Schriftstücken wie der Verlobungsanzeige, dem Grundstückskauf, der Sterbeurkunde und der Todesanzeige nicht verwendet worden. Es blieb zunächst offen, ob die Promotion tatsächlich zum glücklichen Ende geführt wurde. Erst im März 2017 fand Frau Rita Seifert, Mitarbeiterin des Universitätsarchivs, den Nachweis, dass Otto Huschke am 13. August 1860 vor vollzählig versammelter Fakultät das Examen zur Promotion zum Dr. jur. bestanden hatte....

Bertha Huschke

Bertha Caroline Maria Huschke wurde als erste Tochter der Eheleute Huschke am 6.7.1834 in Jena geboren. Über ihr Leben fanden sich in der zugänglichen Literatur kaum Hinweise....

Marie Huschke

Maria Ida Dorette Huschke wurde als zweite Tochter von Emil und Emma Huschke am 31.7.1837 in Jena geboren. Am 3.9.1863 heiratete sie in Jena den späteren Buchhändler Ernst Reimer (1833-1897), der in die von seinem Großvater gegründete und von seinem Vater Georg Reimer fortgeführte Reimersche Verlagsbuchhandlung in Berlin nach dem Tode seines Bruders Max 1858 eintrat.....

Clara Huschke

Clara Huschke wurde am 11.4.1840 als fünftes Kind der Eheleute Emil und Emma Huschke in Jena geboren. Sie lebte unverheiratet im elterlichen Haus am Teichgraben 467 über den Tod ihrer Mutter hinaus. Clara war bei vielen beliebt und machte sich nicht nur im Elternhaus nützlich, sondern half auch in der Familie Ernst Haeckel....

Agnes Haeckel, geborene Huschke

Agnes Therese Louise Caroline Huschke wurde als jüngstes der sechs Kinder von Emil und Emma Huschke am 26.10.1842 in Jena geboren. Ernst Haeckel heiratete die acht Jahre jüngere Agnes Huschke im Sommer 1867 in der Dorfkirche zu Burgau. Der Archidiakon Klopffleisch traute die beiden.

Ernst Haeckel war seit drei Jahren Witwer gewesen, weil seine Ehefrau Anna, geborene Sethe, 1864 nach eineinhalb Jahren glücklicher, aber kinderloser Ehe im Alter von 29 Jahren plötzlich an einer Unterleibsentzündung verstorben war. Sie hatte wohl in der Ahnung ihres nahen Todes ihre Freundin Agnes, mit der sie eine innige Zuneigung verband, als ihre Nachfolgerin auserkoren....

Emma Haeckel

Emma Haeckel, die jüngste Tochter von Ernst und Agnes Haeckel, wurde gleichfalls im Erbbegräbnis der Familie Huschke beigesetzt. Sie wurde am 6. Oktober 1873 in Jena geboren. Nach Einschätzung ihres Bruders Walter war sie "ein in ihrer geistigen wie körperlichen Entwicklung zurückgebliebenes armes Wesen".

Als Sorgenkind der Familie wurde sie besonders von der Mutter geliebt....

Lambert Grolle

 

 

Friedrich Bruno Hildebrand (1812 - 1878)

Friedrich Bruno Hildebrand wurde am 6. März 1812 in Naumburg (Saale) als Sohn des Gerichtsschreibers Johann Friedrich Christian Hildebrand (1780-1864) und dessen Frau Johanne Rosine (1783-1860), geborene Leidecker, in Naumburg geboren. Schon in jungen Jahren regte sich in dem Knaben der sehnliche Wunsch, sich den klassischen Studien widmen zu können. Eine Freistelle am Gymnasium in Schulpforta, für welche sich der kaum 14-jährige ohne Wissen der Eltern in ganz selbständiger Weise vorbereitet hatte, gab dazu die erwünschte Gelegenheit.

Es entsprach dem Wunsch des Vaters, dass Bruno Hildebrand im Jahr 1832 das Theologiestudium an der Universität Leipzig begann. Schon nach einem Semester wechselte er jedoch die Fakultät zum Studium der philosophischen, philologischen und historischen Wissenschaften.

Als junger Mann zeigte er lebhaftes Interesse an den politischen Vorgängen seiner Zeit und schloss sich 1832 der Alten Leipziger Burschenschaft Germania an. Um den Verfolgungen als Burschenschaftler durch die sächsische Polizei zu entgehen, wechselte er den Studienort und setzte im preußischen Breslau sein Studium fort. Dort leistete er auch seinen Militärdienst ab. Trotzdem war er wegen seiner Beteilgung an der Leipziger Burschenschaft längere Zeit in Untersuchungshaft.

Er promovierte nach nur 4-jährigem Studium 1836 zum Doktor der Philosophie und habilitierte sich noch im selben Jahr mit einer Fortssetzung desselben historischen Werkes "De veterum Saxonum republica". Pars I. II, Breslau 1836, in Breslau und wurde dort Privatdozent für Geschichte. Sein Gehalt reichte jedoch nicht für die Bedürfnisse des täglichen Lebens. Er gab deshalb noch Unterrricht am Realgymnasium, und später arbeitete er zusätzlich in der Universitätsbibliothek. Schließlich wurde er 1839 außerordentlicher Professor in Breslau.

 

 

Brigitte Jelke

Emanuel Sinowiewitsch Rabinowitsch

Ein Grabstein erzählt

 

Für Menschen, die im rituellen Brauchtum des Judentums verwurzelt sind, ist der Ort der Bestattung der "Gute Ort", ein "Haus des Lebens", eine "Wohnung der Lebenden", ein Ort, an dem die Hoffnung auf ein neues Leben nicht erlischt. Dass auch der Johannisfriedhof für einen Juden im 19.Jahrhundert zu einem solchen "Haus des Lebens" wurde, ist ungewöhnlich und wirft viele Fragen auf.

Im südlichen Teil des Friedhofs, nahe dem Turm der Friedenskirche und rechts vom Wege, finden wir hinter der Kreuzwegstele den Grabstein von Emanuel Rabinowitsch. Durch die Art seiner Beschriftung ist er als jüdische Grabstätte zu erkennen. Gestaltet als eine abgebrochene Säule auf einem Postament, entspricht sie einer am Ende des 19. Jahrhunderts oft gewählten Form eines Grabdenkmales. Hier ist sie als Symbol für die Tragik eines zu früh abgebrochenen Lebens zu verstehen. Der würfelförmige Sockel ist auf zwei Seiten beschriftet. Das Besondere an diesem Grabstein ist jedoch nicht die zweiseitige sondern die zweisprachige Beschriftung in Deutsch und Hebräisch. Auf jüdischen Friedhöfen sind – zumindest seit dem 19. Jahrhundert – Inschriften in der jeweiligen Landessprache und in Hebräisch üblich. Davon ist dieser Grabstein auf dem Johannisfriedhof ein einmaliges Zeugnis in Jena.

Dazu ein Zitat aus dem Buch "Haus des Lebens": "Zweisprachigkeit will ein Zeichen für ein gewandeltes Selbstverständnis des Judentums sein...ein...bewußtes Judentum zugleich mit der Teilhabe am politischen und gesellschaftlichen Leben der Umwelt."

Was wissen wir von Manuel Rabinowitsch, der 1884 in Jena im Alter von 34 Jahren starb und auf dem Johannisfriedhof beerdigt wurde?

Was kann uns sein Grabstein erzählen?

Werner Wühst

 

Familiengrab Friedrich Gottlob Schulze (1795-1860)

Lehrer und Förderer der Landwirtschaft

 

Die Grabstätte von Friedrich Gottlob Schulze auf dem Johannisfriedhof war im Januar 1995, zu seinem 200. Geburtstag, nur mit einiger Mühe zu finden. Unmittelbar neben der Friedenskirche gelegen, wucherte Efeu über die zerfallende Steinmauer, auch an den drei Metallplatten mit den Namen und Daten Schulzes, seiner Frau Bertha (1799-1857) und deren Mutter Caroline Sturm (1776-1843) hatte der Zahn  der Zeit kräftig genagt. Wildwuchs entzog sie fast gänzlich den Blicken. 2015 ergriff der Thüringer Berufsverband Landwirtschaft und ländlicher Raum e.V., unterstützt von Agrarbetrieben und Einzelspendern, die Initiative zur Restaurierung des Grabes. Alle Beteiligten ehrten damit eine Persönlichkeit, die als Begründer des universitären Landwirtschaftsstudiums weit über Thüringen hinaus wirkte.

Friedrich Gottlob Schulze wurde am 28. Januar 1795 geboren und wuchs mit vier Schwestern auf dem Gut seiner Eltern in Obergävernitz bei Meißen auf. Sie besaßen zudem ein Weingut im nicht weit entfernten Görisch. Seinem Vater, Johann Gottlob Schulze (1762-?), schwebte eine Karriere des Sohnes im höheren Staats-dienst vor, keinesfalls in der Landwirtschaft. Obwohl er ein anerkannter, gegenüber fortschrittlichen Ideen aufgeschlossener Landwirt war, wollte er seinen einzigen Sohn nicht "verbauern" lassen. Im Alter von neun Jahren schickte er ihn deshalb auf eine Lateinschule mit Pensionat im nahen Großenhain, um ihn für den Besuch der Landes- und Fürstenschule Pforta bei Naumburg vorzubereiten. Schulze gehörte dort ab 1808 zu den besten Schüler, mehrfach lobten ihn seine Lehrer in Briefen an den Vater. Fünf Jahre später verzögerte sich durch die Kämpfe der Befreiungskriege mit der bis dahin in der Menschheitsgeschichte verlustreichsten Völkerschlacht bei Leipzig der Studienbeginn.

In Obergävernitz und Görisch erlebte Schulze die auch für das elterliche Gut wirtschaftlich katastrophalen Folgen militärischer Einquartierungen. Im Dezember 1813 schrieb er sich nach dem Willen seines Vaters als Student der Rechtswissenschaften und der Kameralistik (Staats- und Finanzwirtschaft) an der Leipziger Universität ein. Das Studium entsprach seinen Vorstellungen aber wenig, zumal die ihn interessierenden landwirtschaftlichen Vorlesungen im Rahmen der Kameralistik kaum Zuhörer fanden. Nach drei Semestern brach er das Studium ab und drängte den Vater, von ihm eine landwirtschaftliche Ausbildung zu erhalten in der Hoffnung, später das von der Mutter in die Ehe eingebrachte Gut Görisch übernehmen und dort Landwirtschaft und Weinbau betreiben zu können. Zum Glück für die Agrarwissenschaft und den bäuerlichen Berufsstand sollte sich dieser Wunsch nicht erfüllen, weil sein Vater das Gut nach dem Tod von Schulzes Mutter 1815 und einer erneuten Heirat seiner neuen Frau zusprechen wollte.

Traugott Keßler

 

Johann Jakob Griesbach (1745-1812)

Ein Jenaer Aufklärungstheologe

 

Spurensuche in Jena

Das klassizistische Grab für das Ehepaar Griesbach auf dem Jenaer Johannisfriedhof befindet sich etwa 50 Meter nördlich von der Friedenskirche. Eine gewölbte Kalksteinplatte mit der verwitterten Inschrift: "J.J. Griesbach, geb. den 4. Januar 1745, gest. den 24. März 1812", darunter: "J.F. Griesbach, geb. Schütz, gest. den 30. Juni 1831" bedeckt das Grab. Der Name "Griesbach" an der Stirnseite der Grabeinfassung ist dagegen gut zu lesen.

In Jena erinnert an Griebach auch der nur wenige hundert Meter vom Johannisfriedhof entfernte Griesbachsche Garten mit dem Griesbachschen Gartenhaus, das unter dem Namen "Prinzessinnen-Schlösschen" allgemein bekannt ist. Im Norden Jenas trägt seit 1927 eine Straße seinen Namen.

Das Wohnhaus am Löbdergraben, das Griesbach gleich nach seiner Berufung nach Jena 1775 erworben hatte, ist dagegen leider nicht mehr erhalten. Es wurde bei den Bombenangriffen auf das Stadtzentrum am

9. Februar 1945 zerstört. Als Witwensitz für eine Sachsen-Eisenacher Herzogin 1664 vom Weimarer Baumeister Johann Moritz Richter erbaut, war dieses dreistöckige Haus mit ausgebauten Dachgeschoss und Walmdach eines der "besten Häuser der Stadt". Erhalten geblieben ist nur der Hörsaalanbau, den Griesbach für seine Vorlesungen hatte errichten lassen. Er war seinerzeit der größte Hörsaal in Jena, in dem bis zu 300 Zuhörer Platz fanden. Hier hielt Friedrich Schiller am 26. Mai 1789 seine Antrittsvorlesung als Philosophie-Professor zum Thema "Was ist und zu welchem Ende studiert man Universalgeschichte?". Den neuen Professor, den Dichter der "Räuber", wollte damals jedermann hören. Daher wurde kurzfristig von einem Hörsaal in der Johannisgasse in dieses größere Auditorium umgezogen. Auch der Philosoph Johann gottlieb Fichte (1762-1814) hielt hier 1794 seine Jenaer Antrittsvorlesung. Regelmäßig las auch Griesbach in diesem Raum vor durchschnittlich 80 bis 100 Hörern Kirchengeschichte, Exegese, Einleitung und Hermeneutik (Auslegung) des Neuen Testamentes sowie zur Dogmatik (Glaubenslehre). Seine Vorlesungen waren beliebt und daher gut besucht.