Johann David Rostimpfel (1744 – 1816)
Ein Hutmacher im ewigen Osten

 

 

Läuft man entlang der nördlichen Mauer des ältesten Friedhofsareals, fällt ein Grabmal ins Auge, das die benachbarten  Grabanlagen deutlich überragt und in seiner Gestaltung auffällt. Der Dreiecksgiebel des Grabsteins zeigt eine von zwei Sphinxen flankierte Erdkugel, dazwischen Winkel und Zirkelmaß. Über dem Todesengel mit gesenkter Lebensfackel sind sieben Sterne zu sehen. Eine Symbolik, wie sie für die Hochgrade der Freimaurerei typisch ist.

 

Zu Fuße des imposanten Grabmals ruhen die Eheleute Johann David Rostimpfel und Eva Maria Dorothea geb. Grellmann. Aus der am 14. Januar 1787 in der Jenaer Stadtkirche geschlossenen Ehe gingen insgesamt 13 Kinder hervor, von denen acht das Erwachsenenalter erreichten.

 

Eva Maria Dorothea Rostimpfel wurde am 21. November 1764 als Tochter des Weißbäckers Georg Martin Grellmann und Eva Magdalena Linde in Jena geboren. Sie starb am 28. Oktober 1830 im Alter von 65 Jahren an Entkräftung und hinterließ acht Kinder. Ihren Ehemann hatte sie um 14 Jahre überlebt.

 

Johann David Rostimpfel erblickte am 8. Januar 1744 in Pößneck das Licht der Welt. Seine Eltern waren Christian Georg Roßtümpfel und Catharina Margaretha Vogt. Als sechstgeborenes Kind trat er später in die Fußstapfen seiner väterlichen Vorfahren. Altvater Hanß Roßtümpfel kam in den Zeiten des Dreißigjährigen Krieges aus Langenschade nach Pößneck und begründete dort einen Familienzweig, von dessen männlichen Nachkommen über Generationen hinweg viele als Hutmacher arbeiteten.

 

Spätestens 1783 wurde Johann David in Jena ansässig. Im Januar des Jahres erteilte man ihm die Konzession zur Etablierung einer Hutfabrik. Bereits drei Monate später wurde er zum Sachsen-Weimarischen Hofhutfabrikanten ernannt. Als solcher fasste er erfolgreich in der Saalestadt Fuß, denn in den folgenden Jahrzehnten fand die Hutfabrikation Rostimpfel immer wieder Erwähnung. 1798 wurde der privilegierte Hutfabrikant in einem Handlungs- und Fabrikadressbuch von Deutschland und verwandten Provinzen als einer von 14 Jenaer Unternehmern genannt, die ansonsten überwiegend im Buch- und Verlagswesen tätig waren.
Die Produktionskapazitäten der Fabrik scheinen der Nachfrage nach Rostimpfels Hüten nicht lange genügt zu haben. 1791 bat der Hofhutmacher den Bürgermeister und Rat der Stadt um Überlassung eines Teils des Zwingers unterhalb des Pulverturms, um sein Fabrikgrundstück erweitern zu können.

 

1810 übergab Johann David Rostimpfel das Geschäft an seine Söhne David Leonhardt, Carl Friedrich, Adolph und Ferdinand, die fortan als Gebrüder Rostimpfel firmierten und zu den erfolgreichsten Unternehmern der Stadt gehörten.
Am 22. März 1816 starb Johann David Rostimpfel in Jena, wo er drei Tage später auf dem Johannisfriedhof beerdigt wurde. Er war, wie es in der symbolreichen Sprache der Freimaurer heißt, in den ewigen Osten eingegangen. Sein Wirken in diesem geheimnisumwobenen Bund gehört zu den Rätseln, deren Lösung uns bisher vorenthalten blieb.

© D. Pflechter


 

Carl Theil (1886-1945)

 

Pädagoge – Sozialist – Universitätskurator

 

Carl August Theil wurde am 17. Dezember 1886 als Sohn des königlich-preußischen Musikdirektors Carl Christian Hugo Theil (1853-1909) und dessen Ehefrau Natalie (1866-1946) in Danzig geboren. Nach Schulbesuch und Erwerb des Reifezeugnisses studierte er 1904/06 Schiffbau an der Technischen Hochschule Danzig und dann bis 1912 an den Universitäten Berlin, München und Jena klassische Altertumswissenschaft, Geschichte, Philosophie und Pädagogik.

1912/13 promovierte er in Jena zum Dr. phil., 1919 legte er das Gymnasial-Staatsexamen für Latein, Griechisch, Geschichte und Philosophische Propädeutik ab.

1912 heiratete er Elisabeth Eigenbrodt, die Adoptivtochter des Jenaer Schwedischlektors Wolrad und seiner aus Schweden stammenden Ehefrau Helfried, geb. Freiin Rappe. Aus der Ehe gingen fünf Kinder hervor, zwei Töchter und drei Söhne.

Von 1912 bis 1914 war Carl Theil an der Odenwaldschule als Lehrer tätig. Für Theil dürften die beiden Jahre an der 1910 von dem Reformpädagogen Paul Geheeb (1870-1961) nach den Prinzipien der Landeserziehungsheim-Bewegung gegründeten Odenwaldschule zutiefst prägend gewesen sein.

1914 wurde Carl Theil zum Militär eingezogen. Bis Kriegsende war er als Marineoffizier vor allem auf Minenräumbooten im Schwarzen Meer eingesetzt. Theil kehrte als überzeugter Pazifist aus dem Kriegsdienst zurück und fand bei der Sozialdemokratie eine politische Heimat, der Gründer- und Trägerpartei der Weimarer Demokratie, die zudem der Schul- und Bildungsbewegung politischen Rückhalt gab. 1919 bis 1920 fand er in Jena an der neu gegründeten Jenaer „Volkshoch-schule Thüringen“ eine neue Tätigkeit. Durch diese Tätigkeit lernte er Martin Buber (1878-1965) kennen, mit dem er freundschaftlich verbunden war.

1920 wechselte er an die Schule der Gartenstadt Hellerau bei Dresden, die er nach dem Vorbild der Odenwaldschule aufbaute. Durch finanzielle Schwierigkeiten der Schule und innere Konflikte im Lehrerkollegium legte Theil sein Amt als Schulleiter im April 1922 nieder. Auch andere Mitglieder des Schulkollegiums verließen die Schule, die 1925 aufgelöst wurde.

Ab Oktober 1922 war Theil Studienrat an der neuen Aufbauschule in Weimar und ab April 1923 wurde er als Studien- und Gymnasialdirektor an das Weimarer Wilhelm-Ernst-Gymnasium berufen. Auch hier hatte er Probleme, der „liberale Theil“ einerseits, die deutschnational, meist noch monarchistisch gesinnte Lehrer- und Elternschaft andererseits.

Im Januar 1924, die sozialistische Landesregierung wurde abgelöst von völkisch-national-sozialistischen Landtagsfraktionen, die eingeführten Reformen revidiert, forderte das Lehrerkollegium Theils sofortige Amtsenthebung. Theil wurde als Direktor abgesetzt und als Lehrer nach Jena versetzt.

1924/33 unterrichtete Theil am Carl-Alexander-Gymnasium in Jena Griechisch, Latein, Deutsch, Geschichte und Spielturnen.

Seine Kinder schickte er an die Universitätsschule, an der Peter Petersen die „Jenaplan“-Pädagogik entwickelte.

Im Juni 1933 wurde Theil auf Grund des „Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ aus dem Thüringer Staatsdienst entlassen. Die schmalen Bezüge eines zwangs-pensionierten Studiendirektors mit einer großen Familie reichten nicht aus, nur Haus- und Grundbesitz der Mütter sicherte der Familie die wirtschaftliche Existenz.

1941 bis 1944 erhielt Theil die Möglichkeit, an der Privatschule Salem als Griechisch- und Lateinlehrer tätig zu werden. 1944 wurde ein SS-Obersturmführer kommissarischer Schulleiter und Theil, durch Schicksalsschläge krank – zwei seiner Söhne waren gefallen - kam er nach Jena zurück. Offiziell schied er 1945 aus dem Schuldienst. Im März 1945 kam der dritte Sohn ums Leben.  Theil war im Ministerium tätig.

Im Juli 1945 übernahm er bis zu seinem Tod im August 1945 das Amt des Universitätskurators an der Universität Jena.

© J. John, gekürzt: Ch.Apfel


Carl Christian Ludwig Timler (1836–1905)

Maurer- und Steinmetzmeister, Architekt, Künstler, Stadtplaner Kommunalpolitiker, Buchautor und Lehrer

 

Carl Christian Ludwig Timler wurde am 10. Juli 1836 in Jena, als Sohn des Maurermeisters Johann Christoph Carl Timler (1799–1870) und seiner Ehefrau Johanna Sophie Christiane EWrnestine, geborene Grellmann, verwitwete Nürnberger (1801–1853), geboren. Seine Schuljahre verbrachte er in Jena und erlernte bei seinem Vater, der als ein strenger Lehrmeister galt, das Maurerhandwerk. Der Vater erkannte die besonderen künstlerischen Fähigkeiten seines Sohnes und ermöglichte ihm von 1853 bis 1855 den Besuch der Königlichen Baugewerksschule in München.

Danach ging er auf Wanderschaft in weite Teile Deutschlands.

Großherzog Carl Alexander von Sachsen-Weimar-Eisenach ernannte ihn 1856 zum Bauführer bei der Wiederherstellung der Wartburg, die der bekannte Architekt und Hochschullehrer Hugo von Ritgen (1811–1889) leitete. Bis Herbst 1857 arbeitete Timler an diesem Projekt mit, dann legte er die Prüfung als Maurer- und Steinmetzmeister ab und setzte seine Studien in Berlin fort. Danach folgte eine achtzehnmonatige Studienreise durch Italien und Griechenland, auf der er sich intensiv mit klassizistischen Baukunst und Kultur auseinander und füllte zahlreiche Wander- und Skizzenbücher.

Seine Studien veröffentlichte Carl Timler nach seiner Rückkehr in die Heimatstadt unter dem Titel "Die Renaissance in Italien. Architektonisches Skizzenbuch".

Nach seinen Wanderjahren kehrte Timler nach Jena zurück und unterstützte  seinen Vater im Timlerschen Besitz mit Ziegelei, Ofenfabrik und Gipsmühle.

1861 heiratete er Friederike Habermas (1840–1922). Sie stammte aus Eisenach, wo er sie vermutlich während der Arbeiten auf der wartburg kennengelernt hatte. Aus der Ehe gingen 11 Kinder hervor.

Carl Timler ließ sich in Jena als Privatarchitekt nieder und war von 1862 und 1865 der einzige Architekt der Stadt.

Nach dem Tod seines Vaters  im Jahr 1870 verkaufte er die Fabrik und widmete sich verstärkt planerischen Aufgaben.

Zu den ältesten, architektonischen Arbeiten Timlers in Jena gehörte der Pavillon am Fürstengraben. Zu seinen Arbeiten gehört das imposante Haus des Pariser Rentiers August Sellier (1815–1896) in der Westbahnhofstraße.. Fünf Häuser, die  in der heutigen Rathenaustraße entstanden, entwarf er für wohlhabende Bürger, hauptsächlich Universitätsprofessoren.

Der imposante Bau in der Apoldaer Bahnhofstraße, dem sogenannten Zimmermannbau, wurde 1881 fertiggestellt.

In Jena erteilte der Sparkassenverein den Auftrag zum Bau eines neuen Sparkassengebäudes, welches nach mehreren Um- und Ausbauten stark verändert, heute von der AOK in der Ludwig-Weimar-Gasse 4 genutzt wird.

Er lieferte die Pläne für den Neubau der Leichenhalle auf dem Nordfriedhof, das später als Verwaltungsgebäude genutzt wurde. Ausdruck des vielschichtigen Werkes Timlers ist sein Verbindungshaus für das Corps Saxonia Jena in der Knebelstraße 2. Für den Bau wählte er eine burgähnliche Architektur mit kalkstein-verblendeter Fassade und Turm. Am Säulenaltan der östlichen Freitreppe ist bis heute das bärtige Antlitz des Architekten erkennbar.

Er arbeitete mehr als 20 Jahre im Gemeinderat mit und nahm Einfluss auf die Stadtentwicklung indem er sich an der Erarbeitung eines Bebauungsplanes für Jena beteiligte, auf dessen Grundlage die mittelalterliche Stadtstruktur aufgebrochen und überwunden wurde.

Timler gehörte 1903 zu den Gründungsmitgliedern des Jenaer Kunstvereins und war aktiv im Verschönerungsverein tätig.

Carl Timler starb am 10. Februar 1905. Der Jenaer Bildhauer und Steinmetzmeister Otto Späte (1852–1925) schuf das Grabmal in Form eines Obelisk.

© Katrin Fügener, gekürzt: Ch. Apfel